Magen

Der Magen des Pferdes und seine Besonderheiten

Immer wieder wird das Thema Futter und Magen in den unterschiedlichsten Foren und Facebookgruppen diskutiert.
Dabei ist es mal wichtig, sich anatomisch den Magen des Pferdes anzuschauen, um dann zu verstehen, warum es so wichtig ist, dass das Pferd wirklich kontinuierlich Futter in Form von Raufutter zur Verfügung haben sollte.
Im Vergleich zum Menschlichen, oder dem Magen von Hund und Katze, der komplett mit Magendrüsen durchsetzt ist, ist dies schon der größte und wichtigste Unterschied zum Pferd. Denn der Magen vom Pferd ist zweigeteilt bzw. zusammengesetzt. Am Mageneingang befindet sich nämlich der drüsenlose Teil der, sich über das Margo Plicatus, einer gezackten Grenzlinie, zum restlichen drüsenhaltigen Teil des Magens abgrenzt. ( An dieser Linie setzen sich im übrigen auch gerne die Larven der Dasselfliege ab und verursachen so eine Entzündung der Schleimhaut). Somit hat der Magen in diesem drüsenlosen Bereich keine schützende Schicht und die Magenschleimhaut ist schneller angreifbar von der Magensäure. Schutz bietet dem Pferd nur eine kontinuierliche Magenfüllung, so dass die Magensäure in dem Bereich des Mageneingangs das gefressene Raufutter verdauen kann und nicht die schützende Schleimhaut angreift.

Anstelle von Symptombehandlung die Ursachen von Magenproblematiken finden und gezielt abstellen

In erster Linie muss die Ursache/Usachen für die „Magenproblematiken“ gefunden werden, um diese dann ganz gezielt abzustellen bzw. zu behandeln. Die Ursachen hierfür sind meistens so vielfältig, dass die Verabreichung von Protonenpumpenhemmer zu denen u.a. das Gastrogard (Omeprazol) gehört,  nicht immer zielführend sind.
Für viele das Mittel der ersten Wahl, bekämpft es die Symptome und oftmals stellt sich nur kurzzeitig eine Verbesserung ein.

Die säureproduzierenden Zellen im Magen benötigen Protonen (Wasserstoff und Kalium), um Pepsin und Salzsäure bilden zu können. Diese Stoffe werden über bestimmte Enzyme wie bei einer Pumpe in die Zellen transportiert und hemmen in der Magenschleimhaut die Protonen-Pumpen. In der Folge steigt der pH-Wert im Magen an und die Entzündung oder Geschwüre können abheilen.
Zu den Protonenpumpenblockern zählt u.a. das Gastrogard® (Omeprazol). Es ist der wichtigste Säureblocker in der Pferdemedizin und wird daher vor allem bei schwerwiegenden Veränderungen der Magenschleimhaut gerne eingesetzt.

Doch die Folgen können teilweise gravierender sein als die Beschwerden. Die Magensäure hat nicht nur eine Funktion bei der Verdauung von aufgenommener Nahrung, sie ist auch Teil der körpereigenen Abwehr. Denn die aggressive Säure vernichtet Keime, die mit der Nahrung aufgenommen werden und sich versuchen in den Organismus einzuschleichen.
Mit der Neutralisierung der Magensäure ist der Gastrointestinaltrakt besonders anfällig für Infektionen aller Art. Andere Keime, wie Campylobacter-Bakterien, Listerien, Vibrionen, usw. kommen so über die aufgenommene Nahrung in den Gastrointestinaltrakt und verursachen hier die entsprechenden Infektionen, da die Magensäure nicht mehr in der Lage ist, die Keime zu eliminieren. Folglich ist es kein Wunder, wenn die körpereigene Abwehr nicht mehr so gut funktioniert. Häufig tritt dann der Helicobacter Pylori in Erscheinung und bereitet Probleme. Er kann als einziges Bakterium im sauren Milieu des Magens überleben, aber auch nur deshalb, weil sich das Bakterium selbst ein basisches Umfeld über die Produktion von Ammoniak schaffen kann. Im übrigen findet er sich im Gegensatz zum Menschen bereits im Magen und vernichtet abgestorbene Schleimhautreste.

 

Ein Anstieg des pH-Wertes stört die ordnungsgemäße Verdauung, besonders die der Proteine. Diese können nur in einem sauren Magen verdaut werden. Es besteht dadurch die Gefahr, dass unvollständig verdaute Eiweißpartikel durch die Darmschleimhaut in den Blutkreislauf gelangen können. Da sie aber dort nicht hingehören, hält der Organismus sie für Fremdkörper, behandelt sie wie Allergene und bildet dagegen Antikörper wodurch Allergien entstehen.

Zudem hemmen Säureblocker bekanntlich die Aktivitäten der Belegzellen. Diese aber produzieren nicht nur Säure sondern auch den sogenannten Intrinsinc-Factor, der für die Resorption des Vitamines B12 unerlässlich ist. Fehlt dieser Instrinsinc-Factor kommt es unweigerlich zu einem Vitamin B12 Mangel, was dann äußerst unangenehme Folgen wie z.B. neurologische Probleme oder auch Koordinationsstörungen mit sich bringen kann. Ebenso können Herz-Kreislauf-Schäden durch Vitamin B12 Mangel bedingt sein. Vitamin B12 ist gemeinsam mit Vitamin B6 und der Folsäure am Abbau des toxischen Homocysteins beteiligt - ein Stoff, der bei der Verstoffwechselung von Proteinen entsteht und im gesunden Körper problemlos abgebaut wird. Bei Vitamin B12 Mangel kann das Homocystein nicht mehr ordnungsgemäß abgebaut werden. Der Spiegel im Blut steigt und mit ihm die Gefahr der Arteriosklerose (Verkalkung der Blutgefäße).

Leider ist Vitamin B 12 nicht der einzige Vitalstoff, der fehlt, wenn Säureblocker über längere Zeit verabreicht werden. Auch ein Mineralien- und Spurenelementmangel ist die Folge einer langfristigen Einnahme von Säureblockern. Der hohe pH-Wert im Magen führt dazu, dass Mineralstoffe (z.B. Calcium und Magnesium) sowie Spurenelemte (z.B. Eisen und Zink) nicht mehr umfassend resorbiert werden können. Säureblocker können somit zu sämtlichen Symptomen führen, die mit einem Mangel an Mineralstoffen und Spurenelementen einhergehen.

Säureblocker wirken sich auch auf die Lebergesundheit negativ aus, so dass nach mehrwöchiger Einnahme am besten die Leberwerte kontrolliert werden sollten.
Es entsteht ein Teufelskreis - ein sogenannter Rebound-Effekt -, da die Magenpatienten kaum mehr von diesen Mitteln wegkommen. D.h. es kommt nach dem Absetzen der Mittel über einen bestimmten Zeitraum zu einer überschießenden Säureproduktion, die dann nur schwer in den Griff zu bekommen ist.

Schilddrüse und die Verbindung zu Magen/Darm

Die Funktion der Schilddrüse steht in gewisser Weise im Zusammenhang mit dem Verdauungssystem. Die normale Aktivität der Schilddrüse hängt zu ungefähr 20% davon ab, ob es im Darm genügend gesunde Darmbakterien gibt.
Besteht im Darm ein Ungleichgewicht, wirkt sich das auf die Leber und als Folge auch auf die Schilddrüse aus.
Zu einem gesunden Darm und Darmflora gehören sowohl „gute“ wie auch „schlechte“ Bakterien, welche in der Darmwand in der Schleimhaut sitzen. Sie schützen die eigentliche Darmwand vor Schäden, sind selbst Teil der Verdauung und helfen bei der Aufnahme der Nahrung und sind vor allem wichtig bei der Immunabwehr.

Ist die Leber in ihrer Funktion geschwächt ist eine effektive Arbeit nicht mehr gegeben. Dies wirkt sich auf die Schilddrüse aus, denn in der Leber werden 60% der Hormone T4 in die aktive Form T3 umgewandelt. Somit hat dies wiederum Auswirkungen auf die Verdauung, da es dann viel länger dauert, die Nahrung durch den Magen und den Darm zu transportieren.

U.a. kommt es dann häufiger zu Infektionen durch Bakterien sowie Entzündungen im Darm, wodurch dann die Aufnahme von Nährstoffen nicht mehr im erforderlichen Maß gegeben ist. Auf längere Sicht hat dies eine Unterversorgung des Organismus mit wichtigen Nährstoffen zur Folge, so auch für die Schilddrüse. Der Kreis beginnt sich zu schließen.

 

Borreliose

Borrelien - Borrelioseerkrankungen

Durch raffinierte Mechanismen können die Borrelien dem Immunsystem entgehen und im Körper eine lange Zeit persistieren. Das Immunsystem reagiert nicht immer adäquat auf den Erreger. Die Immunantwort kann zu schwach ausfallen oder trotz Elimination des Erregers weitergehen. Die Folge davon sind dann chronische Verlaufsformen der Borreliose, die im Falle des Postlyme-Syndroms eine ganz andere Symptomatik aufweisen als zu Beginn.

 

Aus einer ursprünglich infektiösen ist eine immunologische Erkrankung geworden, die einer antibiotischen Behandlung nicht mehr zugänglich ist.

 

Im Rahmen dieser persisitierenden Immunreaktion entstehen Allgemeinsymptome und es stellt sich eine Chronifizierung der Organbeschwerden ein, wie chronische Gelenksentzündungen, neurologische oder neuropsychologische Ausfälle etc.. Es entsteht ein Postlyme-Syndrom, das aus einer breiten Palette von Allgemein-beschwerden (wie z.B. Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Gelenkschmerzen, Ge-fühlsstörungen etc.) bestehen kann.

 

Chronische Krankheitsformen der Lyme-Borreliose sind also immunologische Er-krankungen und sprechen, das zeigen auch klinische Erfahrungen, auf Antibiotika nicht mehr an.

 

Um dem Zugriff des Immunsystems zu entgehen, können sich Borrelien ver-stecken. In-vitro Experimente haben gezeigt, dass z.B. Burgdorferi in Fibroblasten auch nach 14-tägiger Exposition mit Ceftriaxom, einem wichtigen Antibiotikum zur Behandlung von Lyme-Borreliose, keinen Schaden nimmt. Sie ziehen sich in immunprivilegierte Nischen wie Bindegewebsstrukturen, Sehen, Knorpel etc. zurück, zu welchem das Immunsystem einen schlechten Zugang hat und sind so geschützt.

 

Sie können ihre Motilität und Gestalt den Erfordernissen des umgebenden Milieus anpassen, den Stoffwechsel herabsetzen und hungern, um dann bei geeigneten Bedingungen wieder aktiv zu werden. Daher ist diese Erkrankung so tückisch und schwer behandelbar.

Mehr Informationen zu diesem Thema in der Dissertation von Frau Dr. Caroline Fritz

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